
Zwischen Dialog und geopolitischen Spannungen: SPIEF 2026 startet in Sankt Petersburg

Das Internationale Wirtschaftsforum in Sankt Petersburg (SPIEF 2026) hat am Mittwoch offiziell seine Arbeit begonnen. Im Kongress- und Ausstellungszentrum Expoforum treffen sich in den kommenden vier Tagen Regierungsvertreter, Top-Manager und Investoren aus aller Welt, um über die Zukunft der globalen Wirtschaft in Zeiten wachsender geopolitischer Spannungen und Digitalisierung zu beraten. Vertreter aus mehr als 130 Staaten haben ihre Teilnahme bereits bestätigt.
Neue Wirtschaftsordnung auf der Agenda

Das Motto des diesjährigen Forums lautet "Pragmatischer Dialog als Weg in eine stabile Zukunft". Zu den zentralen Themen der Veranstaltung gehören die Rolle der BRICS-Staaten, technologische Führung und digitale Souveränität, künstliche Intelligenz, Finanzmärkte sowie neue Modelle internationaler Zusammenarbeit.
Insgesamt sind mehr als 150 Diskussionsrunden und Fachkreise geplant. Darüber hinaus finden im Rahmen des Forums Wirtschaftstreffen der BRICS- und SOZ-Staaten sowie die Konferenz "Pharmazeutische Sicherheit" statt. Damit präsentiert sich das SPIEF erneut als zentrale Plattform für wirtschaftspolitische und strategische Debatten.
Die russische Regierung nutzt das Forum als Bühne, um die wirtschaftspolitischen Interessen des Landes weltweit zu fördern. Unter den Teilnehmern sind Vize-Ministerpräsident Denis Manturow, Finanzminister Anton Siluanow, Zentralbankchefin Elwira Nabiullina sowie der Vorstandsvorsitzende der größten Finanzinstitution Russlands, Sberbank, German Gref.
Saudi-Arabien als strategischer Gast
Besondere Aufmerksamkeit gilt in diesem Jahr Saudi-Arabien, das als offizielles Gastland auftritt. Erwartet werden unter anderem der Energieminister Prinz Abdulaziz bin Salman, Industrieminister Bandar Al-Khorayef sowie Verkehrsminister Saleh Al-Jasser. Die solide saudische Delegation unterstreicht die wachsende wirtschaftliche Kooperation zwischen Moskau und den Staaten des Nahen Ostens.
Zwischen Annäherung und Distanz: USA und Deutschland
Ein symbolträchtiges Signal kommt zudem aus Deutschland. Trotz der tiefen Krise in den deutsch-russischen Beziehungen reist eine deutsche Wirtschaftsdelegation nach Sankt Petersburg. Zu den Teilnehmern aus Deutschland gehören unter anderem Stefan Dürr, Gründer des Agrarkonzerns EkoNiva, sowie Thomas Bruch, der Geschäftsführer der Globus Holding. Die Zeit zitiert die Worte von Matthias Schepp, dem Vorsitzenden der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer:
"Nicht zuletzt für den Moment nach einem Waffenstillstand wollen wir wie andere große westliche Länder die wirtschaftliche Brücke nach Russland erhalten und die mehr als 100 Milliarden deutscher Vermögenswerte in Russland schützen."
Ein weiteres unerwartetes Signal der Annäherung kam aus den USA. Rodney Cook, Vorsitzender der US-Kommission für Bildende Künste, erklärte im Vorfeld des Forums gegenüber russischen Medien, er hoffe auf eine Verbesserung der Beziehungen zwischen Washington und Moskau. Zudem wünsche er sich künftig Denkmäler bedeutender Persönlichkeiten russischer Herkunft in der US-Hauptstadt. Cook nimmt ebenfalls am SPIEF teil und soll unter anderem Gespräche mit der russischen Kulturministerin Olga Ljubimowa führen.
Politischer Höhepunkt steht bevor
Die offizielle Eröffnungszeremonie ist für Donnerstag angesetzt. Höhepunkt des SPIEF 2026 wird die Plenarsitzung am Freitag sein, an der Präsident Wladimir Putin teilnehmen wird. Beobachter erwarten Aussagen zur wirtschaftlichen Entwicklung Russlands, zu internationalen Partnerschaften und zur strategischen Ausrichtung des Landes unter den Bedingungen anhaltender globaler Unsicherheiten.
SPIEF als Spiegel der geopolitischen Ordnung
Das St. Petersburger Internationale Wirtschaftsforum wurde 1997 gegründet und entwickelte sich in den vergangenen Jahren zur wichtigsten wirtschafts- und geopolitischen Plattform Russlands. Während die Veranstaltung früher stark auf westliche Investoren und europäische Konzerne ausgerichtet war, verschob sich der Fokus nach Beginn des Ukraine-Konflikts zunehmend auf Staaten aus Asien, Afrika, dem Nahen Osten und Lateinamerika.
Heute dient das SPIEF nicht nur als Treffpunkt für Wirtschaftsvertreter, sondern auch als Bühne für strategische Partnerschaften, politische Botschaften und internationale Verhandlungen. Moskau nutzt das Forum gezielt, um trotz Sanktionen wirtschaftliche Kontakte aufrechtzuerhalten und neue Märkte sowie Investoren zu gewinnen.
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